Gut Bodman

Arbeit im Garten
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Zwischen den Regesten im Archiv
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Vater und Sohn
Vater und Sohn

Gespräch mit Graf Bodman

Nachfolge

Während meiner letzten Schuljahre im Gymnasium hat mein Onkel Johannes mich gefragt, ob ich bereit wäre, das Familienunternehmen von ihm zu übernehmen. Mein Onkel, der ältere Bruder meines Vaters Nikolaus, war kinderlos. Mein Vater lebte und wirkte damals schon lange auf dem Wasserschloss Möggingen und hatte sich dem Naturschutz und der Ornithologie verschrieben. Nach einigem Überlegen habe ich mich gerne bereit erklärt, woraufhin ich von meinem Onkel adoptiert wurde. Auch deshalb habe ich in Bonn und Hohenheim zuerst Landwirtschaft mit Schwerpunkt Obstbau und schließlich Betriebswirtschaft studiert und anschließend ein Praxisjahr in den USA absolviert.

Übernahme

Von 1968 an habe ich mich an der Seite meines Onkels in Bodman eingearbeitet und den Besitz nach dessen Tod 1976 eigenverantwortlich geleitet. Der Besitz war damals verschuldet, es waren große Investitionen und Umstrukturierungen nötig. Ein großflächiger Ausbau des Obstbaus war mangels geeigneter Arbeitskräfte damals noch nicht möglich, wir haben daher Ackerbau, Mast- und Milchwirtschaft forciert; da ein Großteil der Ackerflächen verpachtet war, mussten dazu erst Flächen arrondiert werden. Man konnte dabei nicht nach rein wirtschaftlichen Gründen entscheiden, die Pächter waren auf ihre Flächen angewiesen, sie waren die Basis ihrer Existenz.

Alemannen

Die Bodmans sind Alemannen. Den Alemannen sagt man die Fähigkeit nach, sich arrangieren zu können. Meine Vorfahren wurden von den Stauferkönigen im 12. Jahrhundert als Verwalter des Königsgutes Bodman eingesetzt. 1277 wurde ihnen der Besitz verpfändet, das Pfand wurde nicht mehr ausgelöst, als Lehen weitergeführt und schließlich als Eigentum bestätigt. Dabei haben wir es immer verstanden, uns an die wechselnden Herrschaftsverhältnisse und Rechtslagen anzupassen. Es war aber auch Tradition, ein enges Verhältnis zur Bevölkerung zu pflegen. Meine Vorgänger haben den Pächtern schon mal den Zehnten erlassen, wenn die Ernten schlecht waren.

Es gab sicher bessere und schlechtere Grundherren, aber die Familie Bodman hat sich immer christlichen Werten, einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und der Pflege der Kultur und der Historie der Region verpflichtet gefühlt. Bis heute versuchen wir auf verschiedenen Ebenen, das Ansehen des Hauses zum Wohl der Allgemeinheit einzubringen. Das erklärt vielleicht, warum sich die Bevölkerung 1525 im Badischen Bauernkrieg oder im Revolutionsjahr 1848 auf die Seite ihrer Herrschaft gestellt hat. Als der Besitz Bodman in finanziellen Schwierigkeiten war, hat sie dessen Verkauf verhindert, indem sie den potenziellen Käufern den Treueeid verweigerte.

Aufgaben

Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir wirtschaftlich erfolgreich sein wollen. Wir kümmern uns aber um viele Dinge nicht nur im Interesse der Familie. Der Erhalt der Ruine Altbodman, die Renovierung des Frauenbergs, die Betreuung unserer denkmalgeschützten Gebäude – das alles soll auch dem Gemeinwohl dienen. Wir fragen nicht, ob das betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Wir hätten stattdessen Bauplätze bis nach Konstanz verkaufen, den Mischwald abholzen und dafür Fichten pflanzen und einen Bootshafen nach dem anderen bauen lassen können. Wir haben es nicht getan, weil der Besitz nur dann einen Wert für die Familie hat, wenn er treuhänderisch verwaltet, nachhaltig bewirtschaftet und an die nächste Generation weitergegeben wird.

Sich an Zeitläufe anzupassen ist eine Sache, den Geist eines Hauses über Jahrhunderte zu bewahren eine andere. Das ist nun die Aufgabe meines Sohnes Johannes. Auch ihm würde nie in den Sinn kommen, alles auf den Kopf zu hauen und ein aufwendiges Leben zu führen. Wir wissen um unseren Besitz und seine Historie. Wir wissen aber vor allem um die Verantwortung, die damit einhergeht. Ich kann guten Gewissens sagen: Wir haben unsere Position nie überzogen und wir werden das auch in Zukunft nicht tun. Wir leben nicht in Luxus, das hat uns nie interessiert. Wir leben komfortabel, aber wir sind auch bereit, dafür zu arbeiten.

(Wilderich Graf Bodman, geboren 1936 in Möggingen, hat den Betrieb 2006 an seinen Sohn Johannes übergeben; er erhielt u.a. das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, das Komturkreuz des Ordens vom Heiligen Papst Sylvester, das Großoffizierskreuz für Verdienste um den Souveränen Malteserorden, den Deutschen Preis für Denkmalschutz die silberne Halbkugel und wurde Ehrenringträger des Landkreises Konstanz und Ehrenbürger der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen.)